Oberfränkisches Bauernhofmuseum

Unsere neue Ausstellung: „Flachsen, Spinnen und Waafen über Spinnerinnen, breite Daumen, hängende Lippen und platte Füße“.“

„Summ und brumm, du gutes Rädchen“
Spinnen und Weben in Sprache und Musik

Wie innig das häusliche Spinnen von Fäden einst mit unserer Kultur verwoben war, zeigen die unzähligen Ausdrücke und Redewendungen, die mit Rad und Spindel und Faden und ihrem Symbolgehalt zu tun haben und die sich in der Umgangssprache bis heute erhalten haben. Das Wissen um die Bedeutung ist aber meist verloren gegangen. Wer denkt schon, wenn er bei irgendeiner Gelegenheit „den Faden verloren hat“, an die Spinnerin, die die Enden des gerissenen Spinnfadens wieder verknüpfen musste – und damit „den Faden wieder aufgenommen hat“? Wer hat noch das Bild der Haspel vor Augen, auf die sich der gesponnene Faden aufwickelte und manchmal eben „verhaspelte“? Wer macht sich klar, wenn er in einem Internet-Forum einen Beitrag schreibt, dass er an einem Faden weiterspinnt: ein fortlaufendes Thema wird dort als „thread“, als Faden bezeichnet. Manche Dinge hängen an einem „seidenen Faden“ (und sind meist zu schwer dafür), durch andere zieht sich ein „roter“. Und jedem von uns ist ein „Lebensfaden“ zugeteilt, den die Schicksalsgöttinen gesponnen, abgemessen und abgschnitten haben. Auch der „Ariadnefaden“, der „Leitfaden“, der nicht nur Theseus hilft, den Weg (und den Rückweg) durch unübersichtliche Labyrinthe zu finden, musste erst einmal gesponnen werden. Labyrinthe im Kopf, aus denen oft schwer wieder herauszufinden ist, sind „Hirngespinste“.

Wie kein anderes war das Spinnrad ein Werkzeug der Frauen. „Gretchen am Spinnrade“ ist vielleicht das berühmteste literarische (und musikalische) Bild dafür: „Meine Ruh‘ ist hin, Mein Herz ist schwer …“ singt Gretchen in Goethes Faust I – „allein am Spinnrade“, wie die Regieanweisung lautet. Unzählige ähnliche Gedichte gibt es, wie etwa „Das Mädchen am Spinnrad“, „Lied der Spinnerin“, „Die Spinnerin“, „Die kleine Spinnerin“, das „Lied der Spinnerinnen“ im „Fliegenden Holländer“ oder, musikalisch, Antonin Dvoraks „Das Goldene Spinnrad“, das dem König letztlich die Wahrheit über die böse Stiefmutter verrät – immer ist das Spinnrad mit weiblichem Tun und Schicksal verknüpft. Der einzige Mann, der je mit einem Spinnrad berühmt wurde, ist wohl Mahatma Gandhi. Ach ja, und das „Seemannsgarn“,  das ist auch mehr Sache der Männer. Und oft genug „fadenscheinig“.

Wenn der Mann, wie es heißt, seines Glückes Schmied ist, dann ist die Frau vielleicht ihres Schicksals Spinnerin? Allerdings verschwinden die Zeiten, in denen „Adam grub und Eva spann“, zumindest in unseren Breiten allmählich im Dunkel der Geschichte. Aber wer weiß, vielleicht wird ja irgendwann der alte Spruch „Spinnen am Morgen zeigt Kummer und Sorgen“ wieder aktuell. Er hat seinen Ursprung bei armen Frauen, die eben schon morgens spinnen mussten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Matthias Fanck

Ausstellung vom 3. März bis 8. Juli 2018

Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

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